DIE MAGAZIN » Blog Archive » POLIT-KOMMENTAR

POLIT-KOMMENTAR

wiedermal zeit, eine lanze zu brechen.

wer in den letzten 12 monaten das innenpolitische geschehen amerika’s ein wenig mitverfolgt hat, wird wissen, dass obamas popularität seit seiner fulminanten wahl ziemlich federn gelassen hat. progressive demokraten werfen ihm übermässige partei-diplomatie und mangelndes durchsetzungsvermögen vor, die republikaner sagen zu vorschlägen nein, die sie selbst noch clinton unterbreitet haben, nur weil sie nun von einem demokraten kommen. obamas wahlkampf-traum vom präsident “aller amerikaner” schien irgendwo zwischen theatralischem polit-geplänkel, unvereinbaren haltungen und der reisserischen medienlandschaft zu verelenden.  selbst sein kommunikations-talent verblasste und liess die herbeigesehnte gesundheitsreform zu einem unverständlichen moloch werden, in dem sich vertreter beider parteien in  grabenkämpfe verwickeln liessen. anstatt die probleme beim namen zu nennen, verstieg er sich zT in umständlichen erklärungen und sah sich mit dem dämlichen, aber effektiven vorwurf  konfrontiert, er würde amerika in einen sozialstaat verwandeln. der schritt zum kommunisten, terroristen oder gar “unamerikaner” wurde ihm in rekordtempo angelastet. selbst die tatkräftig noch von der bush-regierung angetriebene finanzkrise, geriet zu seinem fiasko, weil er keine wirklich griffigen, regulativen massnahmen kommunizieren konnte.

der anschein, die hochgesteckten ziele aus 2008  seien zu grossen teilen in washingtons macht-labyrinth verloren gegangen, liess sich nicht mehr entkräften. in ermangelung an leicht vermittelbaren ergebnissen, wirkten selbst die medialen auftritte obama’s, sonst seine stärke, blasser und kraftloser.

an der state of the union-adress letzte woche blitzte dann, für die öffentlichkeit deutlich erkennbar, endlich wieder eine gewisse kampfeslust hervor.

den eigentlichen pr-coup seiner bisherigen amtszeit landete obama aber zwei tage später, vergangenen freitag. eine frage und antwort-session mit der republikanischen opposition wurde auf anfrage des weissen hauses und nach absegnung der republikaner auf dem polit-reportage sender c-span live übertragen. die wirkung dieses bis anhin präzedenzlosen vorgangs kann selbst nach 6 tagen noch kaum eingeschätzt werden. seltsamerweise ist die sonst zu überbordender analyse neigende mediale reflexion vergleichsweise zurückhaltend. am bezeichnendsten ist wohl die entscheidung des pro-republikanischen und mitunter unfreiwillig satirischen senders fox, die übertragung der session vor ihrem ende abzubrechen. was auch immer der genaue grund gewesen sein mag, die einsicht, dass über hundert republikaner gegen einen obama in hochform schlicht keine chance haben, dürfte wohl auch einigen sendeverantwortlichen gekommen sein.

obama stellte sich nämlich nicht nur den zT sehr kritischen fragen, sondern entkräftete sie auf derwart entwaffnende art, wie man es (zumindest zu meinen lebzeiten) von überhaupt keinem politiker erlebt hat. eloquent, humorvoll, flexibel, immer respektvoll und  zuvorkommend, aber gleichzeitig standhaft, in den relevanten punkten unnachgiebig und sogar angriffislustig. all dies abgerundet durch einen logischen, rationalen “common sense”, der seinesgleichen sucht. der gang in die “höhle des löwen” wurde zur “standpauke des löwenkönigs vor den hyänen” wie jemand bildhaft kommentierte. ganz so dramatisch ist meine einschätzung nicht, aber die idee, dass ein politiker tatsächlich als vermittler zwischen rassen, klassen und ideologien funktionieren und damit eine globale vorbildfunktion übernehmen kann, wurde wieder ein bisschen realer. in diesem sinne, go barry.

hier ist der komplette austausch, wer sich durchbeissen will:

YouTube Preview Image

5 Kommentare

Kommentare

stephen colbert
Mittwoch, 3. Februar 2010, 14:11 Uhr

black hitler!

gib senf
Mittwoch, 3. Februar 2010, 14:18 Uhr

*noq ludwigsdorf for president* ich danke dir!

djsuperlaser
Mittwoch, 3. Februar 2010, 15:09 Uhr

talentiertes noq. bravo.

--
Mittwoch, 3. Februar 2010, 22:53 Uhr

ich krieg augenkrebs beim lesen dieses textes in weiss auf schwarz. bitte grösser so ca 24pt und schwarz auf weiss. das wäre schön. adieu

tomh
Donnerstag, 4. Februar 2010, 10:38 Uhr

redesign ist in arbeit ;)

Gib Senf